Insights · Blog · Lizenzierung · 8. Mai 2026

Base + Attach: der Microsoft-Lizenz-Hebel, den fast niemand richtig nutzt.

Microsoft Dynamics 365 hat eine Lizenz-Mechanik, die im Microsoft Licensing Guide auf Seite 6 dokumentiert ist — und die wir bei jedem dritten Kunden falsch konfiguriert finden. Sie heißt Base + Attach. Wer sie versteht, spart oft fünf- bis sechsstellige Beträge im Jahr.

Das Microsoft-Dynamics-365-Lizenzmodell ist nicht intuitiv. Manche Lizenzen sind benannt, andere sind kapazitätsbasiert, und einige verschleiern in den Marketing-Materialien, dass sie deutlich preisgünstiger erworben werden können — wenn man weiß, wie. Base + Attach gehört zu den drei Mechanismen, in denen Microsoft Geld zurückgibt, wenn der Kunde die Lizenz-Logik richtig konfiguriert. Die anderen beiden sind Operations-Order-Lines (für transaktionale Multiplexing-Szenarien) und Device-Lizenzen (für geteilte Maschinen). Heute geht es nur um Base + Attach.

Wir haben in den letzten zwei Jahren in Audit-Sitzungen bei rund 40 Mittelständlern in deren Lizenz-Konfigurationen geschaut. In etwa 14 Fällen lief Base + Attach nicht oder nur teilweise. In einem dieser Fälle — ein Großhändler mit 90 Vertriebsmitarbeitern — hat die Korrektur 27.000 USD pro Jahr gespart. Stimmt. Das ist mehr als der Listenpreis einiger Premium-Lizenzen.

Wie Base + Attach funktioniert

Microsoft sagt es im Licensing Guide so direkt, dass man es leicht überliest:

„When purchasing multiple Dynamics 365 applications for a single user, the first application license must be the highest priced license (a.k.a. base license) for the named user. Every full-access user must have a base license." (Licensing Guide Mai 2026, S. 6)

Übersetzt: Wenn ein Nutzer mehrere Microsoft-Dynamics-365-Apps braucht, ist die erste Lizenz die teuerste (die Base) — alle weiteren werden zum Attach-Preis abgerechnet, und der ist deutlich niedriger. Microsoft hat das im Mai-2026-Guide noch einmal explizit klargestellt: „Base and attach licenses are identical in their core capabilities and are only differentiated in price."

Konkret heißt das: Sales Enterprise als Base kostet 95 USD pro User und Monat. Wenn derselbe Nutzer zusätzlich Customer Service Enterprise benötigt, kostet diese zweite Lizenz nicht erneut 95 USD — sondern 20 USD. Das ist eine Reduktion von rund 78 %.

Die wichtigsten Base- und Attach-Preise im Überblick

Listenpreise USD per User per Monat, Stand Licensing Guide Mai 2026:

Anwendung Base Attach Differenz
Sales Enterprise$95$20−$75
Customer Service Enterprise$95$20−$75
Field Service$95$20−$75
Sales Premium$135$50−$85
Customer Service Premium$135$50−$85
Finance$210$30−$180
Supply Chain Management$210$30−$180
Project Operations Core$120$30−$90
Business Central Premium$100$20−$80

Hinweis: Listenpreise nach Microsoft-Pricing-Page. Tatsächliche Preise sind im CSP-Modell vom Reseller abhängig. Werte gerundet, gegen den Mai-2026-Guide validiert.

Beispiel 1: 30-Personen-Vertrieb mit Sales + Service

Ein Mittelständler mit 30 Vertriebsmitarbeitenden, die alle sowohl Sales Enterprise als auch Customer Service Enterprise nutzen — typisches Setup für Inside-Sales-Teams, die Reklamationen direkt mitbearbeiten.

Falsche Konfiguration (was wir oft sehen): 30× Sales Enterprise + 30× Customer Service Enterprise, beide als Vollpreis-Lizenz. 30 × ($95 + $95) = $5.700/Monat.

Richtige Konfiguration (Base + Attach): 30× Sales Enterprise als Base + 30× Customer Service Enterprise als Attach. 30 × ($95 + $20) = $3.450/Monat.

Ersparnis: $2.250 pro Monat. $27.000 pro Jahr. Ohne dass irgendetwas an der Funktionalität anders ist — Microsoft sagt explizit, Base und Attach sind technisch identisch.

Diesen Fall hatten wir letzten Sommer bei einem Großhändler aus dem Rhein-Main-Gebiet. Der Kunde hatte über drei Jahre den vollen Preis bezahlt, weil sein vorheriger Reseller das Setup nicht angepasst hatte. Drei Wochen Re-Provisionierung — und ab da liefen die Renewals zum reduzierten Preis.

Beispiel 2: Business Central Premium als Base — die Sondervorschrift

Microsoft hat im Licensing Guide eine bemerkenswerte Ausnahme dokumentiert. Business Central Premium kostet $100/User/Monat — niedriger als Sales Enterprise, niedriger als Customer Service Enterprise, deutlich niedriger als Finance. Ein Nutzer mit BC Premium und Sales Enterprise müsste eigentlich Sales Enterprise als Base nehmen (höchster Preis = Base) und BC Premium als Attach.

Aber: Die Microsoft-Vorschrift sagt explizit (Licensing Guide S. 6, Fußnote):

„Users who license Business Central Premium as their base license ($100 user/month, billed annually) are eligible to add Customer Service Enterprise, Field Service or Sales Enterprise at the $20 user/month, billed annually attach price."

Das ist eine Microsoft-spezifische Vergünstigung für Business-Central-Kunden, die zusätzlich CE-Module einsetzen wollen. Praktisch: Wer 25 BC-Premium-User hat und 10 davon zusätzlich Sales Enterprise benötigt, zahlt nicht 95 USD pro Sales-Lizenz, sondern 20 USD — obwohl Sales technisch teurer ist als BC Premium.

Berechnung für 25 BC-User mit 10 Sales-Add-ons:

  • Standard-Logik: 25× BC Premium ($100) + 10× Sales Enterprise ($95) = $2.500 + $950 = $3.450/Monat
  • BC-Premium-Sonderregel: 25× BC Premium ($100) + 10× Sales Enterprise als Attach ($20) = $2.500 + $200 = $2.700/Monat

Differenz: 750 USD pro Monat, 9.000 USD pro Jahr. Für ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitenden erheblich. Wir halten das für eine der unterbewerteten Vergünstigungen im Microsoft-Dynamics-365-Modell — gerade weil viele Berater die Standard-Base-Attach-Logik anwenden, ohne diese Ausnahme zu kennen.

Wann Base + Attach nicht funktioniert

Drei Stolperfallen, die wir wiederholt sehen:

1. Mixed Deployments — Enterprise und Professional nicht im selben Environment

Microsoft erlaubt nicht, Sales Enterprise und Sales Professional im selben Tenant-Environment zu mischen (Licensing Guide S. 5, Mixed-Deployments-Hinweis). Wer also einige Vertriebsmitarbeiter mit Professional und andere mit Enterprise lizenzieren will, muss separate Environments aufsetzen — was technisch und organisatorisch Aufwand bedeutet.

2. Attach geht nur, wenn die Base existiert

Microsoft schreibt: „Attach licenses may only be assigned to users with an appropriate qualifying base license." (S. 6). Der System-Administrator kann eine Attach-Lizenz nicht zuweisen, wenn die Base fehlt — Microsoft validiert das automatisch im Admin-Center. Aber: Wenn die Base-Lizenz später entfernt oder gekündigt wird, fällt auch die Attach-Berechtigung. Wir haben das einmal bei einem Kunden gesehen, der versehentlich seine Sales-Enterprise-Lizenzen reduziert hat — die Customer-Service-Attach-Lizenzen wurden ungültig, und im nächsten Audit war das ein Problem.

3. Customer Insights ist ein Sonderfall

Customer Insights bricht die Standard-Logik. Microsoft sagt explizit: „Customer Insights attach licenses include the same default capacity entitlements as the Customer Insights base license." (S. 6, Anmerkung).

Übersetzt: Während andere Attach-Lizenzen keine zusätzlichen Capacity-Entitlements bringen (sie greifen auf die der Base zu), bekommt eine Customer-Insights-Attach-Lizenz volle eigene Profile-Capacity. Das ist relevant, wenn Sie mehrere Customer-Insights-Instanzen brauchen — eine pro Markenfamilie zum Beispiel. Hier hilft Attach mehr als woanders.

Was wir tun, wenn ein Kunde mit falschem Setup zu uns kommt

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge:

  1. Lizenz-Inventar abziehen. Microsoft 365 Admin Center → Billing → Licenses. Excel-Export. Wir gleichen ab, welche Nutzer welche Lizenzen haben — und welche zusammenhängen müssten.
  2. Im License Cost Calculator durchspielen. Unser License Cost Calculator rechnet die Optimierung mit Base + Attach automatisch aus. Wir spielen die Konstellation durch und vergleichen Ist mit Soll.
  3. Mit dem Reseller die Re-Provisionierung anstoßen. Wenn der Kunde im CSP-Modell ist, läuft das über uns. Wenn er bei einem anderen Reseller ist oder im Enterprise-Agreement, machen wir die Vorbereitung und übergeben den Vorschlag an den Microsoft-Account-Manager.

Aufwand für eine typische Lizenz-Optimierung: 6 bis 10 Stunden Beratung, plus 2 bis 4 Wochen Wartezeit für die nächste Renewal-Periode. Die Ersparnisse sind in den meisten Fällen sechsstellig über drei Jahre — das amortisiert die Beratung in der ersten Quartalsrechnung.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Setup Base + Attach richtig nutzt: 30-Minuten-Erstgespräch mit Lizenz-Inventar-Anschluss reichen typischerweise für eine erste Diagnose. Mehr zu unserem Angebot finden Sie auf der Lizenzen, Preise & Kosten-Seite.

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