Insights · Blog · Lizenzierung · 8. Mai 2026
Microsoft hat zwischen Oktober 2025 und Mai 2026 sechzehn dokumentierte Änderungen am Dynamics-365-Lizenzmodell veröffentlicht. Wir haben den Licensing Guide gelesen, damit Sie es nicht müssen — und ordnen ein, welche der Änderungen kommerziell, welche kosmetisch sind.
Der Mai-2026-Licensing-Guide für Microsoft Dynamics 365 ist seit zwei Wochen draußen, und wer sich mit Lizenzierung im Microsoft-Ökosystem auseinandersetzen muss, kennt das Ritual: PDF herunterladen, Appendix K aufschlagen, Change Log lesen, im Hauptteil verifizieren, was die abstrakten Zeilen konkret bedeuten. Wir machen das hier öffentlich — mit Bewertung. Nicht jede Änderung im Guide ist gleich relevant. Manche sind Korrekturen, manche sind Strukturwechsel, und ein paar wenige verschieben tatsächlich Geld.
Vor zwei Wochen hatten wir einen Bestandskunden mit etwa 80 Sales-Premium- und 40 Customer-Service-Premium-Lizenzen, der uns gefragt hat, ob er nach dem Update etwas anpassen muss. Die Antwort war: nein, aber er sollte eine seiner laufenden Copilot-Studio-Pre-Purchase-Vereinbarungen kündigen. Der Grund steht im November-2025-Eintrag des Change Logs. Mehr dazu unten.
Was hier folgt, ist keine 1:1-Übersetzung des Microsoft-Dokuments. Es ist die kommentierte Lesung eines Microsoft Partners, der dieselben Lizenzen seit Jahren konfiguriert. Quellenangaben jeweils mit Seitenverweis auf den offiziellen Guide.
Was es ist. Seit November 2025 enthalten die vier Premium-SKUs — Sales Premium, Customer Service Premium, Finance Premium und Supply Chain Management Premium — jeweils 1.000 Copilot Credits pro User und Monat. Vorher waren das separate SKUs. Microsoft hat sie zusammengelegt. Konkret: Wer eine Premium-Lizenz hat, hat auch ein Credit-Budget für Dynamics-365-Agents und Copilot-Studio-Workloads (Licensing Guide Mai 2026, S. 41).
Was nicht. Die Standard-Lizenzen — Sales Enterprise, Customer Service Enterprise, Finance, Supply Chain Management, Sales Professional, Customer Service Professional — bekommen keine Credits. Die müssen weiterhin separat über Pay-as-you-go, Pre-Purchase oder den Copilot-Credit-Pack-Subskriptionsweg gekauft werden.
Was das für Bestandskunden bedeutet. Wer Premium hat und parallel laufend Copilot Credits zukauft, sollte rechnen. Wer 50 Sales-Premium-Nutzer hat, bekommt 50.000 Credits/Monat in den Tenant. Das deckt die meisten realistischen Agent-Nutzungs-Szenarien, die wir bisher gesehen haben — von Sales Opportunity Agent bis Account-Research-Workflows in Copilot Studio.
Was das für Neukunden bedeutet. Premium ist gegenüber Enterprise + Copilot-Add-on jetzt häufig die günstigere Variante, sobald Agent-Nutzung mehr als symbolisch ist. Wir haben dazu einen separaten Beitrag geschrieben — 1.000 Copilot Credits in Premium-Lizenzen — rechnet sich der Aufpreis?. Stichpunkt-Antwort: ab etwa 2.000 Credits-Monat-Verbrauch pro Nutzer.
Für Microsoft Dynamics 365 Business Central sind seit November 2025 zwei Agents formal GA: Sales Order Agent und Payables Agent. Aus Public Preview in den vollwertigen Verkaufsstatus, und was das heißt: Sie können jetzt produktiv mit ihnen arbeiten, sie sind in den Produkt-Terms verankert, und sie kosten Copilot Credits. Vor November war Sales Order Agent eine Beta, mit allen daran hängenden Erwartungs-Limits. Jetzt nicht mehr.
Wir haben den Sales Order Agent bei einem Großhändler in Hessen im letzten Quartal getestet — mit einer einfachen Aufgabe: eingehende E-Mail-Bestellungen automatisch in BC-Aufträge umwandeln. Funktioniert technisch, scheitert aber an Daten-Hygiene. Wer Customer Records mit drei Schreibweisen für denselben Kunden hat, der scheitert auch hier. Der Agent macht keine Daten-Bereinigung. Stimmt offensichtlich, aber wird in den Marketing-Demos so nicht klar.
Für Bestandskunden: Wer Business Central Premium hat, hat eine Plattform, auf der diese Agents technisch laufen. Die Credits müssen separat dazukommen — denn BC Premium ist (anders als die D365-Premium-SKUs der CE-/F&O-Welt) nicht im Copilot-Credit-Inklusiv-Programm. Das ist eine wichtige Asymmetrie, die wir im Business-Central-Service-Bereich regelmäßig erklären müssen.
Microsoft hat im November 2025 die Default-Capacity für BC Essentials, Premium und Device erhöht (Licensing Guide Mai 2026, S. 45). Das ist die Sorte Änderung, die in Marketing-Materialien als „Improvement" auftaucht und in Wirklichkeit nur dafür sorgt, dass die Preiserhöhung weniger schmerzt. Beides läuft parallel: mehr Capacity, höhere Listenpreise. Netto für die meisten Mittelständler: leichter Aufschlag, kaum Praxis-Konsequenz.
Wir halten Capacity-Erhöhungen ohne TCO-Vergleich grundsätzlich für nicht aussagekräftig. Wer BC heute neu lizenziert, sollte den License Cost Calculator mit konkreten User-Zahlen, Add-ons und Capacity-Wünschen durchrechnen lassen, statt Tabellen-Vergleiche zu machen.
Im Oktober 2025 ist die übergreifende Dynamics-365-Agents-Plattform GA gegangen (Licensing Guide Mai 2026, S. 39). Das umfasst die produktübergreifenden Agents — also nicht nur die BC-spezifischen, sondern auch die in Customer Service, Field Service, Sales und ERP. Parallel sind weitere Agents in Paid Public Preview verfügbar (Appendix B, S. 54).
Wichtig zur Lizenzierung: Wer einen Dynamics-365-Agent nutzen will, braucht zwei Dinge — eine valide Lizenz für die zugehörige Anwendung (z. B. Customer Service) und genügend Copilot Credits, weil jede Agent-Aktion Credits verbrennt. Ein Sales-Opportunity-Agent ohne Sales-Lizenz ist nicht erlaubt. Ein Payables-Agent ohne BC-Lizenz auch nicht. Die Microsoft-Logik: Agents erweitern eine bestehende Anwendung, sie ersetzen sie nicht.
Der Sales Opportunity Agent ist im April 2026 aus der Public Preview in den GA-Status gewechselt (S. 33). Was er tut: Er priorisiert Opportunities anhand von Verhaltens-Signalen, Pipeline-Stage und Deal-Historie. Was er nicht tut: Strukturierte Vertriebs-Coaching-Aufgaben, die einen menschlichen Sales Manager ersetzen. Wer ihn produktiv einsetzen will, braucht Sales Premium oder Sales Enterprise + Copilot Credits.
Wir haben ihn aktuell bei einem Maschinenbauer im Pilotbetrieb. Die Hälfte der Vertriebsmitarbeitenden findet die Empfehlungen plausibel, die andere Hälfte findet sie zu konservativ. Das ist ein typisches Sales-AI-Pilot-Bild und hat mit der Datentiefe zu tun, nicht mit dem Agent.
Microsoft hat zwei Project-Operations-Editions umbenannt:
Das ist eine Marketing-Vereinheitlichung. Funktional ändert sich nichts, die Lizenzpreise bleiben, die Use Rights identisch. Aber: Wer Schulungsmaterialien, interne Wikis oder Customer Portals mit den alten Namen pflegt, sollte das anpassen, sonst wird es spätestens im nächsten Audit verwirrend.
Bis September 2025 waren Copilot for Sales und Copilot for Service eigenständige Add-on-SKUs. Seit Oktober 2025 sind sie standardmäßig in der Microsoft-365-Copilot-Lizenz enthalten (S. 39 und 40). Das ist eine konsumentenfreundliche Änderung — wer M365 Copilot hat, bekommt jetzt die ehemals separat verkauften Sales-/Service-Erweiterungen kostenlos dazu.
Konsequenz: Wer historisch separat dafür gezahlt hat, sollte den Vertrag prüfen lassen. In den meisten CSP-Settings hat Microsoft die Lizenzen automatisch konsolidiert, aber bei Enterprise-Agreements mit ältlichen Vertragsständen lohnt der Blick.
Microsoft Dynamics 365 Guides und Microsoft Dynamics 365 Remote Assist sind seit November 2025 nicht mehr verkaufbar. Bestehende Lizenzen laufen aus, Neulizenzen gibt es nicht mehr. Beide Produkte waren Mixed-Reality-Anwendungen für Industrie-Service-Szenarien — primär für HoloLens. Der HoloLens-Verkauf endete bereits 2024, das End-of-Sale für die Software-Stacks war damit absehbar.
Wer hier noch Lizenzen hat: Migrationen Richtung Field Service mit klassischen mobilen Apps oder Copilot-Studio-Agents sind machbar, aber nicht trivial. Wir haben das einmal für einen Anlagenbauer skizziert — der Aufwand lag bei etwa 30 Tagen Customization für 80 aktive Service-Techniker. Nicht kostenlos.
Im März 2026 hat Microsoft die Default- und Accrued-Dataverse-Database-Capacity sowie die Dataverse-File-Default-Capacity für Sales Premium erhöht (S. 46). Wer Sales-Premium-Lizenzen hat, bekommt also mehr Speicher pro User. Das ist eine kleine Verbesserung, primär relevant für große Setups mit vielen Anhängen, OneNote-Notizen oder Document-Generation-Workflows.
In Praxis heißt das: Wer bisher Capacity-Add-ons gekauft hat, weil Storage-Limits eng wurden, sollte vor dem Verlängerungstermin nochmal prüfen, ob die Add-ons jetzt überflüssig geworden sind. Mikro-Optimierung, aber bei 200+ Lizenzen können das vier- bis fünfstellige Beträge im Jahr sein.
Im Februar 2026 hat Microsoft das Model Context Protocol (MCP) für Dynamics 365 eingeführt (S. 41). Das ist eine der substanzielleren Änderungen im Update — und gleichzeitig die mit der größten Lizenz-Konsequenz für Architekturen, die mit eigenen AI-Agents arbeiten wollen.
Kurz gefasst: MCP ist ein offenes Protokoll, mit dem AI-Agents — auch außerhalb des Microsoft-Ökosystems, etwa Anthropic Claude oder eigene Foundry-Agents — auf Dynamics-365-Daten zugreifen können. In Copilot Studio kostet die MCP-Nutzung keine Extra-Charges. Außerhalb Copilot Studio braucht es eine valide Lizenz, die den Datenzugriff abdeckt — Premium-Lizenzen für D365-Daten, M365 Copilot USL für Non-D365-Daten, sonst billable als Copilot Credits.
Wir haben einen separaten Beitrag dazu — Model Context Protocol für Dynamics 365 — was MCP für Ihre AI-Architektur bedeutet. Wer eigene LLM-Agents auf Microsoft-Daten plant, sollte den vor jedem Architektur-Workshop lesen.
Microsoft hat die Field-Service- und Project-Operations-Integration aktualisiert (S. 24, 53). Konkret geht es um die Datenmodell-Übergabe von Field-Service-Aufträgen in Project-Operations-Vorgänge. Wenn Sie beide Module produktiv nutzen — typisch in Anlagenbau- und Service-Engineering-Settings — sollte Ihr Customization geprüft werden, bevor das nächste Release-Wave-Update aufschlägt.
Zwei Sub-Module von Dynamics 365 Commerce sind seit Februar 2026 nicht mehr verkaufbar: Commerce Recommendations (AI-getriebene Produktvorschläge) und Commerce Ratings & Reviews (Kundenrezensionen). Wer das in Webshops oder POS-Setups produktiv nutzt, sollte mit dem Microsoft-Account-Team über Migrationspfade reden — Microsoft hat keine 1:1-Nachfolger im eigenen Stack benannt.
Das ist eine bemerkenswerte Entscheidung. Recommendation-Engines sind im E-Commerce ein zentrales Differenzierungs-Werkzeug. Microsoft scheint Commerce als Produktlinie nicht mehr aggressiv weiterzuentwickeln. Wir halten das für ein Symptom — nicht die Ursache. Mehr dazu in unseren ERP-Wissens-Beiträgen.
Seit Januar 2026 unterstützt Dynamics 365 Contact Center Voice die Teams-Phone-Extensibility (S. 14). Das öffnet die Voice-Channel-Architektur für Teams-Phone-Integrationen — etwa, wenn Sie Teams Phone als Telefonie-Backend für Ihr Customer Service Center einsetzen wollen. Lizenzkonsequenz: keine direkt, aber Teams-Phone-Subskriptionen sind separat zu lizenzieren und müssen mit dem Contact-Center-Voice-Plan zusammenpassen.
Im Dezember 2025 hat Microsoft die Dataverse- und Operations-Capacity-Strukturen angepasst (S. 44). Konkret: Default-Capacity wurde erhöht, manche Capacity-Töpfe wurden konsolidiert. Wer historisch eine zerklüftete Capacity-Add-on-Landschaft hatte, kann hier vereinfachen. Das ist eine der unscheinbaren Änderungen, die in der Praxis aber relevant werden, wenn Sie ein größeres Tenant-Audit machen.
Im aktuellen Mai-2026-Guide neu aufgenommen: ein Procurement Agent in Paid Public Preview (S. 56). Er ersetzt den bisherigen Supplier Communications Agent. Das ist die einzige neue Public-Preview-Aufnahme im Mai-2026-Update — und die einzige Änderung, die strukturell in den nächsten zwölf Monaten relevant werden dürfte für Supply-Chain-Management-Kunden.
Was er können soll: automatisierte Lieferanten-Kommunikation rund um Purchase Orders, Order-Status-Anfragen, Reklamationen. Public Preview heißt: nutzbar, aber kostenpflichtig, ohne SLA-Garantien. Wer Supply Chain Management Premium hat, kann ihn mit den 1.000 Copilot Credits / User / Monat ohne Extra-Aufwand testen.
Daneben hat Microsoft im Update an mehreren Stellen Use Rights für Team Members präzisiert — insbesondere in den Bereichen Project Operations, Finance und Supply Chain Management (Appendix C, mehrere Einträge zwischen Juli 2025 und November 2025). Das ist administrativ relevant, weil Microsoft hier graue Zonen geschlossen hat, die historisch oft falsch interpretiert wurden. Lesen Sie unseren Team-Members-Compliance-Beitrag dazu — es lohnt sich.
Auch Security-Role-Namen in Commerce wurden geändert (Oktober 2025), und der „Shop Floor"-Begriff wurde durch „Production Floor" ersetzt (Februar 2026). Beides reine Nomenklatur, ohne Lizenz-Wirkung.
Drei Dinge stehen über allen anderen Änderungen — wenn wir das auf Konsequenzen für laufende Projekte herunterbrechen:
Was wir bei arades den meisten Bestandskunden konkret empfehlen: einmal pro Halbjahr eine kompakte Lizenz-Review — anhand des aktuellen Licensing Guides, des tatsächlichen Lizenz-Bestands und der nächsten zwölf Monate Projekt-Roadmap. Nicht jede Microsoft-Änderung ist es wert, aktiv zu reagieren. Aber jede ist es wert, einmal verstanden zu werden, bevor sie im Renewal-Gespräch unangenehm wird.
Wenn Sie unsicher sind, ob das Mai-2026-Update für Ihren Lizenz-Bestand relevant ist, schreiben Sie uns. Eine erste Sichtung anhand Ihrer Lizenz-Übersicht dauert typisch 30 bis 45 Minuten — kostenlos im Erstgespräch.
Mehr zur strategischen Einordnung der Lizenzierung finden Sie unter Microsoft Dynamics 365 Lizenzen, Preise & Kosten. Konkrete Sub-Themen aus dem Mai-Update vertiefen wir in den unten verlinkten Beiträgen.
30 Min Erstgespräch · kostenlos
Eine pragmatische erste Sichtung Ihrer aktuellen Lizenz-Konfiguration gegen das Mai-2026-Update — wir sagen Ihnen, ob es Anpassungs- oder Optimierungs-Bedarf gibt.
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