In Erstgesprächen mit mittelständischen Kunden sehen wir immer wieder dieselben Ausgangs-Konstellationen. Jeder dieser Pfade hat eigene Daten-Modell-Brüche, eigene Lizenz-Mathematik und eine eigene typische Projekt-Dauer. Hier die fünf häufigsten Migrations-Pfade — und worauf jeweils zu achten ist.
Dynamics AX 2009 oder Dynamics AX 2012 → F&O-Nachfolger-Apps
Der klassische Konzern-Migrations-Pfad: Dynamics AX-Installationen aus den 2010er Jahren wechseln auf Dynamics 365 Finance plus Supply Chain Management. Vorsicht bei X++-Customizations — viele Eigenentwicklungen aus der AX-Welt müssen in der Cloud-Variante neu konzipiert werden. Daten-Migration ist aufwändig, weil sich das Datenmodell zwischen AX und den Successor-Apps in mehreren Bereichen geändert hat. Typische Projekt-Dauer: 12–24 Monate inklusive Parallel-Betrieb.
Microsoft Dynamics NAV → Business Central
Der direkte Nachfolger-Pfad. Wer NAV 2013, 2015, 2017, 2018 oder NAV 2019 betreibt, hat mit Business Central den vorgesehenen Migrations-Pfad — das Datenmodell ist weitgehend kompatibel, viele C/AL-Anpassungen lassen sich systematisch in AL-Extensions überführen. Microsoft stellt Migrations-Tools bereit, dennoch ist Beratung in den Bereichen Lizenz-Umstellung (perpetual → subscription) und Customization-Refactoring wesentlich. Typische Dauer: 4–9 Monate, je nach Anpassungs-Tiefe.
SAP Business One → Business Central
Wachsende KMU, die mit SAP Business One an Funktions-Grenzen stoßen oder die Microsoft-Cloud-Integration suchen, wechseln häufig auf Business Central. Vorteil: native Anbindung an Microsoft 365, Power BI und Power Platform. Herausforderung: Stammdaten-Migration und Geschäftslogik-Übersetzung — die beiden Systeme haben unterschiedliche Denkmuster in Buchungs- und Belegfluss. Typische Dauer: 5–10 Monate.
Sage 100 oder Sage X3 → Business Central oder F&O
Produzierende Mittelständler mit Sage-Historie wechseln häufig in Richtung Microsoft, wenn Microsoft 365 bereits etabliert ist und ein homogener Cloud-Stack gewünscht wird. Sage 100 zielt eher auf Business Central, Sage X3 in komplexen Fertigungs-Konstellationen häufig auf Finance plus Supply Chain Management. Daten-Migration ist erfahrungsgemäß aufwändiger als bei NAV-Migrationen, weil sich die Stamm- und Bewegungs-Datenmodelle deutlicher unterscheiden.
abas ERP → Business Central oder F&O
abas-Kunden — typischerweise Fertiger und Anlagenbauer — bewegen sich entweder in Richtung Business Central (kleinere und mittlere Konstellationen) oder Finance plus Supply Chain Management (anspruchsvolle Mittelständler mit Multi-Site-Fertigung). abas-Eigenentwicklungen müssen in der Microsoft-Welt neu strukturiert werden. Wichtig: realistische Bewertung, welche abas-Funktionen sich im Microsoft-Standard abbilden lassen und wo Eigenentwicklungs-Aufwand entsteht.
Microsoft Dynamics 365 Business Central — Upgrade-Pfade
Auch innerhalb der Business-Central-Welt gibt es Wege: Upgrade von Business Central on-premises auf Business Central Online, Wechsel zwischen Essentials und Premium, oder Re-Strukturierung der Anpassungs-Logik nach Übernahme einer Implementierung von einem anderen Partner. Diese internen Pfade sind oft kürzer (2–6 Monate), erfordern aber eine saubere Bestands-Aufnahme und einen klaren Cutover-Plan.
Datenmigration als unterschätzter Engpass
Über alle Migrations-Pfade hinweg ist die Daten-Migration der häufigste Grund für Verzögerungen — nicht die Software-Konfiguration. Stammdaten (Kunden, Lieferanten, Artikel, Konten-Plan), offene Posten (Forderungen, Verbindlichkeiten, offene Bestellungen) und Bewegungsdaten (Historien-Buchungen, Lager-Bewegungen) müssen aus dem Altsystem extrahiert, bereinigt, gemappt und in die neue Welt überführt werden. Erfahrungs-Werte: 25–40 % des Implementations-Aufwands entfallen auf Daten-Migration. Ein realistisches Projekt-Budget plant diesen Aufwand explizit ein — gerne im Rahmen eines vorgelagerten Daten-Audits.